Die Schule von Asendorf

Über die Schule von Asendorf finden wir nach dem Chronisten Lühr folgende Eintragungen in den Dorfakten und Material aus der Schulchronik, die großenteils vom Lehrer Karl Beck geschrieben wurde.
Leider ist die alte Schulchronik über die Zeit bis 1945 verschollen. Es gibt hierüber nur einige Auszüge und Fragmente. Die Chronik über die Schule von 1945 bis zu ihrer Schließung liegt im Original im Gemeindearchiv. Eine Abschrift dieses Dokumentes stellen wir über den Link Schulchronik dem Leser zur Verfügung.

Die Schule in Asendorf

Von Arthur Lühr                  (FB 245, 246, 247 und 249)

A.  Allgemeines

Die Volksschule ist ein Kind der Kirche. Bereits der Frankenkaiser Karl hatte nach der Unterwerfung des Sachsenlandes und Einführung des Christentums von den Geistlichen gefordert, dass sie in den Dörfern und Städten und auf den Höfen unentgeltlich Schule halten sollten. Ob und wieweit diese Verordnung tatsächlich durchgeführt worden ist, ist nicht bekannt, denn Nachrichten darüber sind nirgends vorhanden. Die Anordnung wird wohl durch die vielen kriegerischen Ereignisse, die sich in späteren Zeiten im Lüneburger Lande abspielten, in Vergessenheit geraten sein. Erst die Reformation gab neuen Antrieb für die Errichtung von Schulen auf dem Lande. Im Lüneburgischen wurde bei der 1565 abgehaltenen Generalvisitation der Kirchen dem Schulwesen besondere Beachtung geschenkt. Allerdings ist in der Instruktion für die Visitatoren nur die Rede von Schulen in den Städten und Flecken; von den Dörfern ist darin noch nichts gesagt.

Erst die 1. Lüneburger Schulordnung von 1654 gab die Grundlage für die Errichtung der Landschulen. Die wichtigste Bestimmung dieser Schulordnung war die ‚Einführung des allgemeinen Schulzwanges für alle Kinder vom 6. Bis zum 12. Lebensjahr. Diesem Zwang aber setzte die Landbevölkerung allerschärfsten Widerstand entgegen, da sie ihre Kinder bereits in jungen Jahren zu land- und hauswirtschaftlichen Arbeiten – besonders zum Viehhüten – benötigte. Dadurch unterblieb an manchen Orten die Einrichtung von Schulen, bis sie schließlich durch Androhung von scharfer Geldstrafen erzwungen wurde.

Wann die Schule in Asendorf gegründet wurde, ist nicht genau festzustellen. In der Hanstedter Pfarrchronik sind im Jahr 1668 bereits in verschiedenen Dörfern des Kirchspiels Schulen angegeben, Asendorf jedoch fehlt; es hatte damals also noch keine Schule. Im Hanstedter Kirchenbuch wird zum ersten Male im Jahre 1714 ein Schulmeister Jacob Ditmers erwähnt, der in diesem Jahre heiratete. Jedoch ist vor ihm schon sein Vater als Schulmeister in Asendorf tätig gewesen; denn das Sterberegister von 1728 meldet, dass der „gewesene Schulmeister Lüdeke Ditmers, 73 Jahre alt gestorben“ sei. Da dieser Lüdeke Ditmers 1679 heiratete, ist anzunehmen, dass er bereits vor diesem Jahre Schulmeister geworden ist. Wahrscheinlich ist er sogar der erste Lehrer in Asendorf überhaupt gewesen.

Zur Schulgemeinde Asendorf gehörten von Alters her das Dorf Asendorf selbst, ferner der Hof Schmalenfelde und später die Abbauerstelle Drumbergen. Zu Ostern 1908 wurde die Ortschaft Dierkshausen an die Schulgemeinde Asendorf angeschlossen, während der Hof Schmalenfelde zu Marxen kam.

B.  Das Schulhaus und das Schulgrundstück.

Der Unterricht fand ursprünglich in den einzelnen Bauernhäusern meistens abwechselnd statt. Eigene Schulhäuser errichtete man erst später. In Asendorf wird ein Schulhaus zum ersten Male im Lagerbuch des Amtes Winsen a/d. Luhe im Jahre 1723 als schon bestehend erwähnt. Es lag damals im nordöstlichen Teil des Dorfes am Wege nach Marxen (heutiges Grundstück Nr. 15). Das Lagerbuch fügt hinzu „Dazu gehöret keine Länderey“. 1769 besaß die Schule aber schon 2 ½ Morgen Ackerland und ½ Morgen Garten. In einem Bericht aus dem Jahre 1788 sagt Pastor Müller, Hanstedt: „Ist ein eigenes Schulhaus vorhanden, wobei ein guter Garten, 3 Stück Ackerland und eine kleine Wiese von 1 Fuder Heu und ½ Fuder Nachmadt“. 1790 erhielt die Schule durch Überweisung von der Gemeinde noch weitere 3½ Morgen Ackerland, 1¼ Morgen Wiesen und 1/3 Morgen Garten hinzu.

Das Schulhaus war, wie überall im Lüneburger Land, klein und dürftig. Es enthielt außer der Schulstube die Wohnung des Lehrers, bestehend aus 1 kleinen Stube und 1 Kammer. In einem Bericht aus dem Jahre 1810 sagt Pastor Kregel aus Hanstedt, die Asendorfer Schulstube sei „geräumig und helle“. 1819 heißt es über den Zustand des Schulhauses: „Es ist ziemlich, wann es gebauet, weiß sich Niemand zu erinnern“. Nach dem gleichen Bericht war das Schulhaus zu 100 Reichsthalern bei der Brandkasse versichert.

Da die Schule infolge des ständigen Anwachsens der Kinderzahl allmählich zu klein geworden war und auch zu unbequem lag, beschloss die Gemeinde im Jahre 1840 mit Zustimmung des Königlichen Konsistoriums die Errichtung eines neuen Gebäudes und die Verlegung an einen bequemeren Platz. Als Platz für den Neubau nebst Hofraum und Garten hatte man einige Stücke Landes im sog. Düsternbrook ausersehen, die dem Höfner Peters (Nr.3) und dem Brinksitzer Rieckmann (Nr. 10) gehörten. Nach längeren Verhandlungen erklärten sich beide zur Abtretung von 119 Quadratruthen Land an die Gemeinde bereit. Der Gutsherr Rittmeister von Estorff gab seinen gutsherrlichen Konsens, jedoch unter der Voraussetzung, „das beiden vollständige Entschädigung an Grund und Boden durch Ausweisung gleichwertiger Flächen aus der Gemeinheit zu Theil werde“. Peters und Rieckmann erhielten völlige Entschädigung durch Zuweisung von entsprechenden Landstücken in dem von der Dorfschaft angekauften Forstgrunde im sog. Holze. Der Bau begann im Jahre 1841. Die Maurerarbeiten führte der Vollhöfner Peter Heinrich Hartig aus Seppensen, die Tischlerarbeiten der Tischlermeister Peter Heinrich Garbers aus Brackel. Letzterer erhielt nach einer noch vorliegenden Rechnung für seine Arbeiten 105 Thaler Courant am 19.5.1842 ausbezahlt. Hartig lieferte auch die Ziegelsteine. Wegen dieser Steine jedoch kam es bald zu einem Streit zwischen der Gemeinde Asendorf und Hartig. Die Gemeinde bemängelte die gelieferten und im Vorderhause gesetzten Ziegelsteine und hielt sie „für gar zu schlecht und fast unbrauchbar“. Da der Bau aber doch notwendig fortgehen musste, erklärte sich Hartig nach einigem Hin und Her schließlich bereit, die innerhalb von 10 Jahren schadhaft gewordenen Ziegelsteine unentgeltlich zu ersetzen und auf seine Kosten einmauern zu lassen. 1842 war der Neubau beendet und der Pastor von Hanstedt weihte die neue Schule ein.

Das alte Schulhaus kaufte bald darauf Friedrich Baring aus Schneverdingen und errichtete dort mit einem Stückchen Land aus der Gemeinheit im Jahre 1845 eine Abbauerstelle, die heutige Stelle Nr. 15.

Die im Jahre 1852 beendete Gemeinheitsteilung und Verkoppelung brachte auch der Schule Zuwachs an Ländereien. Die Schule besaß jetzt:

110

Qu.R.

Gartenland

4

Morgen

8

"

Ackerland

3

"

11

"

Wiesen

13

"

85

"

Angerboden

68

"

55

"

Heidboden

17

"

unbrauchbares Land.

Zu den Kosten der Teilung und Verkoppelung musste die Schule insgesamt 13 gge. 6 Pfg. beitragen.

Im Jahre 1877 gehörten zur Schule folgende Ländereien:

Hektar

Ar

qm

1.

Gartenland beim Hause

2.

Gartenland belegen in den Söhlen

3.

Ackerland belegen

a)

in Horn

71

77

b)

bei den Kämpen

26

21

c)

in den Söhlen

35

82

d)

daselbst

1

12

27

e)

hinter dem Suhrfelde

24

4.

Wiesenland belegen

a)

im Horn

49

36

b)

in den tiefen Wiesen

27

74

c)

in den Söhlen

7

64

5.

Torfmoor belegen in dem Wittenrehm

47

42

6.

Waldungen

nichts

7.

Unkultivierte Länderei belegen

a)

im Horn

28

61

b)

beim Drumbergen

11

74

64

c)

bei der Hafkla

24

46

d)

daselbst

2

61

e)

in den Kämpen

51

98

f)

hinter dem Suhrfelde

1

4

6

g)

im Südmoor

46

32

h)

daselbst

 

36

3

Summa

21

53

36

 

In der Nacht vom 10. auf 11. September 1884 fiel das Schulhaus einem Brandunglück zum Opfer; es brannte bis auf den Grund nieder. Der obdachlos gewordene Lehrer wurde mit seiner Familie vorläufig bei dem Häusling und Zimmermann untergebracht gegen einen Mietbetrag von RM 48,-- jährlich, den die Gemeinde zahlte. Für die Abhaltung des Unterrichts erklärten sich 3 Vollhöfner bereit, auf je ¼ Jahr abwechselnd einen geeigneten Raum in ihren Häusern gegen eine entsprechende Vergütung zur Verfügung zu stellen. Der Bau des neuen Schulhauses begann im Frühjahr 1885 und wurde im Herbst desselben Jahres beendet, so dass es im Oktober wieder bezogen werden konnte. Am 3. Dezember 1885 wurde das neue Schulhaus im Beisein der Gemeindemitglieder und des Schulvorstandes durch Pastor Wecken, Hanstedt feierlich eingeweiht.

Am 7. Juni 1896 schlug bei einem starken Gewitter der Blitz in das Schulhaus ein, zertrümmerte einen Pfosten und einen Sparren. Zwar zündete der Blitz, da das Feuer aber zu wenig Nahrung hatte, konnte es schnell gelöscht werden, da der Lehrer gerade auf dem Boden war und sofort Leute herbeiholen konnte.

Das neue Schulgebäude genügte im Allgemeinen für seine Zwecke in jeder Weise. Nur im Winter klagte man darüber, dass der Ofen in der Schulstube nicht genügend Wärme ausstrahlte. Um diesem Übel abzuhelfen, ließ die Gemeinde im Sommer 1901 vor sämtlichen Fenstern der Schulstube Doppelfenster anbringen.

Im Herbst 1902 wurde im Garten westlich von der Küchentür ein neuer Brunnen gegraben und in der Küche der Lehrerwohnung eine neue Pumpe gesetzt.

Nach einer von der Regierung geforderten Schätzung wurde im Jahre 1906 der Wert des Schulgebäudes auf RM 13 000 und der Wert der zur Schule gehörenden 25 ha Länderei auf RM 10 000 beziffert. Als zu Ostern 1908 die Ortschaft Dierkshausen der Schulgemeinde Asendorf angeschlossen wurde, wuchs die Kinderzahl von etwa 47 auf 62. Die Schulstube war jedoch dafür zu klein, so dass vorläufig Halbtagsschule eingerichtet wurde. Da dieser Zustand jedoch nicht fortdauern konnte, beschloss der Schulvorstand im Jahre 1911 einen Erweiterungsbau. Dieser Bau wurde in den großen Schulferien ausgeführt, so dass der Unterricht keine Störung erlitt. Nach Sü­den wurde das Haus um 5 m verlängert, wovon 3 m auf die Vergrößerung der Schul­stube und 2 m für den neuen Eingang für die Kinder verfielen. Das erweiterte Schul­zimmer erhielt auch einen 2. Ofen. Die Gesamtkosten des Baues betrugen RM 3400.

Da die Zahl der Kinder auch weiterhin stieg, beschloss der Schulvorstand im Jahre 1923 die Errichtung einer 2. Lehrerstelle. Aus 2 Räumen der Lehrerwohnung richtete man eine 2. Schulklasse ein. Als Ersatz für diese beiden Räume erhielt der Lehrer einen von den bisherigen großen Schulstube abgetrennten Raum, die als Stube eingerichtet wurde. Der 2. Lehrer wohnte im Dorf. Im Jahre 1933 jedoch beschloss der Schulvorstand, oben im Schulhause eine Wohnung für den 2. Lehrer einzurichten. Infolge der Schwierigkeit der Materialbeschaffung und der Überlastung der Handwerker mit Arbeit konnte der Umbau erst 1935 ausgeführt werden. Am 15. Juni 1935 bezog der 2. Lehrer Bohn die neue Wohnung. Die Kosten dieses Umbaus betrugen RM 4 250.-.

C.  Schulbesuch und Unterricht.

Für uns ist es heute eine Selbstverständlichkeit, dass die Kinder ihre Schule regelmäßig und täglich besuchen. Das war früher anders. Die Bauern konnten sich mit dem von der Regierung angeordneten Schulzwang nicht recht befreunden, da sie ihre Kinder zum Viehhüten und zu verschiedenen häuslichen Verrichtungen dringend benötigten. Sie schickten die Kinder in die Schule , wann es ihnen passte. Um diesem Übelstand abzuhelfen, hielt die Regierung die Eltern durch Verordnung von 1734 mit allem Nachdruck dazu an, die Kinder regelmäßig in die Schule zu schicken; Widerspenstige sollten unter Umständen sogar mit Gefängnis bestraft werden. Doch selbst diese Strafandrohung half nichts, der Widerstand wurde immer stärker, sodass sich die Regierung 1738 genötigt sah, ihre früheren Anordnungen erheblich zu mildern. Zum mindesten aber im Winter mussten die Kinder regelmäßig zum Schulbesuch angehalten werden. Im Sommer sollte zwar auch 2 mal in der Woche Unterricht stattfinden, doch auch hierbei wurden vielfach Ausnahmen gestattet. Die Schulberichte der folgenden Zeit lassen erkennen, dass der Schulbesuch im Winter sehr gut, im Sommer dagegen recht mangelhaft war. Dieser Zustand blieb bis etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts bestehen. Erst die preußische Regierung sorgte nach der Einverleibung Hannovers im Jahre 1866 für die Einführung des wirklich regelmäßigen Schulbesuchs.

Der Unterricht in den Dorfschulen erstreckte sich ursprünglich zur Hauptsache auf Katechismuslehre und Lesen; die Kinder sollten den Katechismus mit Verstand beten und gedruckte deutsche Schrift lesen können. Schreiben und Rechnen kamen erst viel später hinzu und waren noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts Wahlfächer. Das Schreiben galt zu jener Zeit als eine Kunst. Es war viel, wenn die größeren Kinder wenigstens ihren Namen schreiben konnten. Als ganz besonders klug galten diejenigen, die es fertig brachten, einen ganzen Spruch nachzuschreiben. Das Rechnen lernten nur ganz wenige Kinder, da, wie ein Schulbericht mitteilt, „die Eltern es um deswillen als unnötig ansehen, weil sie selber ohne allen erhaltenen Unterricht geschwinde und sicher genug im Kopfe rechnen könnten und das auch praktisch ihre Kinder lehrten“. In anderen Berichten heißt es, dass nicht einmal alle Lehrer etwas vom Rechnen verständen. Wie mag es da erst bei den Kindern ausgesehen haben? Nicht viel anders war es mit der Orthographie. Berichtet doch Pastor Kregel, Hanstedt, 1794 einmal: „von der Orthographie haben die wenigsten Lehrer einen Begriff… und das es bei den Schulmeistern äußerst schwer halte, ihnen richtige und haftende Begriffe von der Orthographie beizubringen.

Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Kindern auf Anordnung der Regierung auch gemeinnützige Kenntnisse – insbesondere Geographie und Naturgeschichte beigebracht werden sollte, machte sich bei der Bevölkerung überall Widerstand bemerkbar. Pastor Kregel sagt in seinem Schulbericht von 1813 hierüber folgendes: „Die sämtlichen Schulgemeinden haben für die neuen Verbesserungen des Schulunterrichts immer nur noch wenigen Sinn… Geographie und Naturgeschichte insbesondere sind die Steine des Anstoßes, über welche sie nicht hinwegschreiten können, ohne zu stolpern. Geographie, sagen die Alten, was mag sie unsern Kindern nützen? Ohne alle Kenntnis derselben wissen wir die Wege nach den Städten, wo wir unsern Überfluss absetzen, mit allen ihren Richt- und Nebenwegen bey Tag und Nacht zu finden. Und Naturgeschichte von Thieren, von denen unsere Kinder vielleicht ebenso wenig als wir, je eines zu sehen bekommen, wozu soll die ihnen dienen? Die Natur derjenigen Thiere aber, mit welchen wir und unsere Kinder umgehen, unsere Pferde, Ochsen, Kühe, Schafe und Schweine usw., ja auch die wilden Thiere, die uns umgeben, kennen wir gut genug, lernen unsere Kinder von uns kennen, und bedürfen dazu keines Unterrichts in der Schule. Und ich bekenne freymütig, dass ich nichts habe, was ich diesem entgegensetzen könnte. …. Die Eingepfarrten der hiesigen Gemeinde sind wahrlich von aller thierischen Rohheit weit entfernt; es sind weder Guronen noch Iroquesen, weder Samojeden noch Kamptschaden, weder Patagonier noch Feuerländer. Meine größte Klage ist vielmehr die, dass sie jetzt leider zu civilisiert sind“.
Also selbst der Pastor als Schulinspektor hielt die Verbreitung von gemeinnützigen Kenntnissen für überflüssig.

Bei dem ganzen Unterricht wurde in der Auswahl des Lehrstoffes überhaupt weitgehend auf die „künftige Bestimmung der Kinder“ Rücksicht genommen. Pastor Kregel erwähnt hierzu, dass die „hiesigen Kinder Bauern, Knechte, Mägde oder Tagelöhner würden, dass kaum ein Junge die Gegend verließe und kaum einer ein Handwerk erlerne und darauf würde Rücksicht genommen.“ Die streng kirchlich empfindenden Bauern betrachteten die Schule als eine rein kirchliche Einrichtung und da genügte es, dass die Schule den Kindern die Lehre des Katechismus und der Bibel und das Lesen vermittelte, alles andere galt als überflüssig.

Die Unterrichtssprache wird zur Hauptsache die plattdeutsch gewesen sein. Pastor Kregel berichtet darüber 1794: „im Religionsunterricht und in der Zergliederung des Katechismus wird hochdeutsch gesprochen, außerdem (d.h. bei den anderen Unterrichtsfächern) würde es von den Aeltern und Kindern den Schulmeistern als ein eitler Hochmuth sehr hoch angerechnet werden, mancher darunter sich auch vielleicht sehr lächerlich machen.“ Der Superintendent antwortete darauf. Sie sollten immer hochdeutsch reden und haben es nicht zu achten, wenn dies gleich auch anfangs von den Aeltern sollte bespottet werden“.

An Schulbüchern gab es früher nur die Bibel, den Katechismus und das Gesangbuch, alle andern Bücher wurden erst viel später mit der Erweiterung der Unterrichtsfächer eingeführt. Heute erstreckt sich der Unterricht auf alle Fächer, die auch in den städtischen Schulen gelehrt werden.

Völlig unbekannt war früher der Unterricht in weiblichen Handarbeiten und der Turnunterricht. Erst im Januar 1886 wurde in der Asendorfer Schule der Handarbeitsunterricht eingeführt, den meistens die Frau des Lehrers erteilte. Diese erhielt für den Unterricht RM 72.- im Jahr. Jedes an diesem Unterricht teilnehmende Kind hatte dafür jährlich 1 Mark zu zahlen.

Zu Ostern des gleichen Jahres begann man in Asendorf mit dem Turnunterricht, nachdem die erforderlichen Geräte wie Turnstäbe, Barren und Reck angeschafft waren. In jeder Woche wurden 2 Turnstunden abgehalten. 1909 begann man mit der Einführung der 3. Turnstunde; doch sollte diese Stunde nicht dem eigentlichen Turnen dienen, sondern es sollte eine Spielstunde sein.

Jedes Schuljahr wurde kurz vor Ostern mit einer allgemeinen öffentlichen Schulprüfung abgeschlossen, an der stets auch die Eltern teilnehmen und sich von den Leistungen und Kenntnissen ihrer Kinder überzeugen konnten.

Der Schulunterricht wurde gelegentlich einmal durch einen kleinen Schulausflug und einmal im Jahr durch eine Schulfeier unterbrochen. Es war die Feier zur Erinnerung an den Sieg der deutschen Truppen bei Sedan und die Gefangennahme des französischen Kaisers. Die Asendorfer Schule beging diese Feier in der Regel gemeinsam mit den Schulen der benachbarten Orte jeweils am 1. oder 2. September. Die Feier begann mit einem Ausflug nach dem vereinbarten Treffpunkt. Nach einer begeisterten Rede eines der Lehrer über den Sinn dieser Feier erhielten die Kinder Kaffee und Kuchen und dann ging es hinaus auf`s Feld zum Spielen. Mit dem Singen einiger vaterländischer Lieder und einem Hoch auf den Kaiser fand die Feier ihren Abschluss. Mit dem Weltkrieg jedoch hörten diese Sedan-Feiern auf.

Im Jahre 1895 fand in der Asendorfer Schule zum ersten Male eine gemeinsame Weihnachtsfeier statt, die den Kindern recht viel Freude machte. An dieser Feier nahmen auch die Eltern teil. Diese Weihnachtsfeier fand so viel Anklang, dass sie regelmäßig in jedem Jahr sich wiederholte. Seit dem Jahr 1933 beteiligen sich die Schulkinder geschlossen an allen nationalen Feiern. Im August 1937 veranstaltete die Schule zum ersten Male eine größere 2-tägige Ausfahrt. Der Lehrer fuhr mit 14 Kindern der 1. Klasse mit der Bahn nach Wesermünde-Bremerhaven. Sie besichtigten dort den Fischereihafen, die Hafenanlagen, die Fischauktion und das im Hafen liegende Riesenschiff „Europa“. Für die Kinder war dies natürlich ein ganz großes Erlebnis, hatten die meisten doch kaum jemals ein größeres Wasser gesehen als die Seeve bei Jesteburg. Im nächsten Jahr unternahm die Schule einen Ausflug nach Kiel-Laboe-Timmendorfer Strand und besichtigten dabei den Kieler Kriegshafen. Ferner wurden mehrfach Theateraufführungen in Hamburg besucht. Welch ein Unterschied zwischen früher und heute!

Mit dem Anwachsen der Einwohnerzahl des Dorfes stieg auch langsam die Zahl der Schulkinder. Die Asendorfer Schule wurde besucht im Jahre:

Schreiben *)

Rechnen *)

Kinder

Knaben

Mädchen

Kn

Kn

1761

22

1794

25

1810

33

17

16

11

4

11

4

1814

27

14

13

1823

37

18

19

9

7

3

2

1829

39

1831

39

19

20

10

12

2

-

1846

30

1857

32

14

18

ab 1857 lernen alle Kinder Rechnen und Schreiben

1866

36

23

13

1869

40

1876

32

14

18

1882

40

20

20

1885

38

21

17

1888

37

18

19

1890

38

1897

45

1902

56

1904

58

1906

47

1908

62

nach dem Anschluß Dierkshausen an die Asendorfer Schulgemeinde

*) Anzahl der Kinder, die Schreiben bzw. Rechnen lernen

D.  Die Besetzung der Schulstellen:

Die Seele der Schule war und ist stets der Lehrer. Von seiner Ausbildung und seinem Können hängt der Nutzen des Unterrichts für die Schule und den Schüler ab. Mit der Ausbildung und dem Können der Lehrer war es früher meist gar schlecht bestellt. In der Regel kamen die Lehrer aus den Kreisen der Handwerker und Invaliden. Eine berufliche Ausbildung gab es bis 1750 überhaupt nicht. Wer Lehrer weren wollte, ging zur Vorbereitung auf sein Amt meistens für einige Wochen bei einem tüchtigen Lehrer in der Nachbarschaft in die Lehre. Hatter der angehende Lehrer dann die Bibel, den Katechismus , etwas Lesen, Schreiben und vielleicht auch etwas Rechnen notdürftig in sich aufgenommen, konnte er sich bei einem Pastoren, der ja die Schulaufsicht ausübte, um eine freie Stelle bewerben. In der Regel musste sich ein solcher Kandidat vorläufig mit einer der am schlechtesten bezahlten Schulstellen begnügen und konnte erst später bei entsprechender Eignung in bessere Stellen versetzt werden.

Ursprünglich nahm der jeweilige Pastor die Anstellung der Lehrer oder wie sie damals allgemein genannt wurden, Schulmeister, vor. Anscheinend aber führte dies vielfach zu Unzuträglichkeiten, denn die Dannenberger Schulordnung von 1687, die für das Lüneburger Land 1692 in Kraft trat, schrieb vor, dass fortan die Schulmeister nicht „ohne Wissen der Superintendenten angenommen werden sollten“. Aber auch diese Anordnung konnte es nicht verhindern, dass sich bei der Anstellung von Lehrern Unzuträglichkeiten herausstellten. Dem Königlichen Konsistorium waren verschiedene Fälle bekannt geworden, in denen:

„bey Bestellung der Küster-, Schulmeister- und Organisten-Dienste ungebührliche Mundinationes getrieben, auch beregte Dienste aus solchen und anderen Neben-Absichten mit unnützen und zu ihren Functionen, wozu sie bestellet sind, insonderheit zur Unterweisung der Jugend, untüchtigen Subjectis besetzet worden“.

Aus diesem Grunde und um „diesem schändlichen Unwesen vorzubauen, auch selbigen die zuverlässige Abhelfung zu geben“ ordnete das Konsistorium am 27. Januar 1736 an:

Befehlen Nahmens Ihrer Königl. Majestät und Churfürstl. Durchl., Unsers Allergnädigsten Herrn, Wir allen und jeden General- und Secial-Superintendenten in denen sämtlichen hiesigen Landen hiermit ernstlich, daß Keiner von ihnen in Zukunft von der Zeit des Empfanges dieser Verordnung an zu rechnen, einen Küster, Schulmeister oder Organisten für sich allein und ohne vorgängige Confirmation des hiesigen Königl. Und Churfürstl. Consistory weiter bestellen, sondern bei jedesmaliger Vacanz eines Küster- Schulmeister und Organisten-Dienstes, ungl. wann auf solche Bedienungen auch nur ein Adjunctus anzusetzen ist, sich nach zwey geschickten und unverwerflichen Subjectis umsehen, deren geführtes Leben und Wandel, auch ob diejenige, so zum Schulmeister-Dienst in Vorschlag kommen, die erforderliche Capazität besitzen, die Schul-Jugend im Lesen, Schreiben und Rechnen, absonderlich aber im Christenthum gründlich zu unterweisen, besten Fleißes untersuchen, und, wann er solche beyde Subjecta zur Verwaltung des erledigten Dienstes tüchtig befunden, selbige innerhalb Vier Wochen nach entstandener Vacantz dem Königl. Consistorio präsentiren, auch ihre etwa beygebrachte oder sonst eingeholte schriftliche Zeugniße, ingl. eine in seiner, des Superintendenten Gegenwart eigenhändig von ihnen geschriebenen Probe, zugleich einschicken solle. Welchenm nechst sodann wegen des etwa nöhtig erachtenden weiteren Examinis solcher beyden Subjectorum, auch wegen der Confirmation eines von solchen Subjectis aus dem Königl. Consistorio das weitere nach Befinden wird verfüget werden.“

Also nicht mehr der Superintendent, sondern nur das Konsistorium allein nahm die Anstellung der Lehrer vor.

Nach 1750 mussten die Schulmeisterkandidaten vor und auch nachihrer Anstellung einige Male für kurze Zeit – meistens nur für ¼ Jahr – das Seminar in Hannover besuchen.

Bei Freiwerden einer Lehrerstelle meldeten sich die Anwärter bei dem zuständigen Superintendenten. Dieser hielt das vorgeschriebene Examen mit ihnen ab, holte Auskunft über ihr Verhalten und ihren Lebenswandel bei dem Pastor ihres letzten Wohnortes ein und schlug dann 2 Anwärter mit einer entsprechenden Charakteristik dem Konsistorium in Hannover vor. Das Konsistorium ernannte dann in der Regel „primo loco“, d.h. den zuerst Vorgeschlagenen zum Lehrer der erledigten Schulstelle. Der Ernannte erhielt darauf eine Anstellungsurkunde folgenden Wortlauts:

 

Confirmatio pro Johann Dietrich Lüders
als Schulmeister zu Asendorff.

Des Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Georg des Dritten, Königs von Großbrittanien, Frankreich und Irrland, Beschützer des Glaubens, Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg, des Heiligen Römischen Reiches Erz-Schatzmeisters und Churfürsten pp. Würklicher Geheimer-Rath und zum Königlich- und Churfürstlichen Consostorio hieselbst verordnete Präsident, auch Consistorial- und Kirchen-Räthe, confirmiren und bestätigen den von dem Superintendenten der Inspektion Bardowick Ehrn Frank auf den vacanten Schuldienst zu Asendorff anhero präsentirten Johann Dietrich Lüders  zum Schulmeister daselbst Kraft dieses, dergestalt und also, daß er die dortige Schuljugend im Lesen, Schreiben und Rechnen, insbesonderheit aber im Christenthume, getreulichst unterrichten, weniger nicht diejenigen Kinder, welche das 6te Jahr ihres Alters noch nicht erreicht haben, und von ihren Eltern dennoch zur Schule gesandt werden, bis zur Erlangung des 6ten Jahrs unentgeldlich informiren, dagegen aber die bey dem Dienste gehörigen Einkünfte ohne allen Abbruch genießen, und im übrigen von der Gemeine zu Asendorff als ihr Schulmeister angesehen und gehalten werden solle.

            Urkundlich des hierunter gedruckten Königlich- und Churfürstlichen ‚
            Consistorial-Siegels. Gegeben Hannover, den 13ten November 1794

            (L.S.)                                      gez. v. Arnßwaldt

 

Der Neuernannte hatte dann vor dem Superintendenten einen Huldigungseid auf den König von Hannover zu leisten.

Nach vorheriger Bekanntgabe der Ernennung des neuen Schulmeisters von der Kanzel nahm der zuständige Ortspastor die feierliche Einführung des Schulmeisters in sein Amt vor. Dies geschah meistens in der Kirche im Beisein der ganzen Gemeinde und der Schuljugend. Den Hergang einer solchen Einführung schildert Pastor Burggraf, Hanstedt, in folgendem Bericht an den Superintendenten:

<<       Ew. Hochwürden

Verfehle ich nicht, über die in dero verehrlichem Auftrage am 19ten d.M. Nachmittags 1½ Uhr Statt gehabte Einführung des Schullehrers Johann Heinrich Albers zu Asendorf, nachdem sie Sonntags zuvor Ordnungsmäßig angekündigt und gedachte Gemeine zur Theilnahme an derselben aufgefordert war, Pflichtschuldigst Bericht zu erstatten:

Nach kurzer Eröffnung hinsichtlich des Zweckes der Zusammenkunft, ward mit Verlesung des, Introducendo darnach zugestellten, Ernennungs-Rescripts Kgln. Consistorii vor der im Asendorfer Lehrzimmer versammelten Gemeinde und Schuljugend, - soweit dessen Mitteilung Unterzeichnetem zweckdienlich schien, - begonnen, und sämmtliche Anwesende aufgefordert, sammt dem sein Lehrergeschäft mit einer kurzen Unterredung über „Lernbegierde“ jetzt eröffnenden Lehrer im 1ten und 2ten Verse 280ten Gesanges auch ihre Herzen flehend zu dem zu erheben, in dessen Namen er dasselbe anfange.

Die Bemerkung der am Schlusse der gepflogenen Unterredung: daß unsre Lernbegierde sich nur auf gemeinnützliche und wichtige Gegenstände richten müsse, und die Wichtigste aller Kenntnisse die Erkenntniß Gottes und Jesu sey: gab von selbst Gelegenheit, den angehenden Lehrer mit einigen herzlichen Worten darauf hinzuweisen: wie ihm, als Volks-Jugendlehrer, im Allgemeinen auch die Aufforderung sehr gelte: „Lasset die Kindlein zu mir kommen!“ so wie insbesondere die: „Werdet meine Lämmer und wie er dadurch, daß als ein verständiger sorgsamer und treuer Hirt seiner jetzigen Heerde – der Heerde seines Herrn des großen Erzhirten – thue, und durch sein der hier ihm anvertraueten Jugend, gleichwie den erwachsenen Gemeindemitgliedern zu gebendes Beyspiel dahin mitzuwirken habe, daß auch durch ihn Viele mögten zu Gotte kommen.“

Hierauf wurde diese und die Jugend aufgefordert, dem antretenden Lehrer mit Vertrauen, welches er durch sein bisheriges löbliches Betragen in frühern Lehrer-Verhältnissen so sehr verdiene, entgegenzukommen, und ihn mit Liebe unter sich aufzunehmen, wie derselbe ihm von dem Orte seiner bisherigen Wirksamkeit folge.

Zuletzt wurde sie dringend erinnert, ihrem Lehrer das wichtige aber schwere Werk geistiger Bildung, der Erziehung für alles Gute und Aedle, und für den Himmel, durch Achtsamkeit, Lernbegierde und Folgsamkeit, und durch stäte Ermahnung ihrer Kinder zu Fleiße und Sittlichkeit, zu erleichtern, wie durch schuldige Erkenntlichkeit ihm sein redliches Bemühetseyn um die, welche ihnen das Theuerste hienieden seyn müßten, einiger Maaßen zu vergelten.

Endlich schloß des Unterzeichneten Vortrag mit der ausgesprochenen Hoffnung, daß die jetzt geknüpfte Verbindung des Lehrers mit der Jugend dieses Ortes und mit deren Aeltern, da sie so wichtiges beziele, für den Himmel geschlossen seyn, und stäts Gelegenheit zu reicher Aussaat für dereinstige Aernte in demselben darbieten möge: und endigte sich die ganze Feyerlichkeit mit Absingung 2ten Verses 741ten Lieds.

Hochachtungsvoll habe Ew. Hochwürden ich, Vorstehendes in Pflichtschuldigstem Gehorsame zu berichten, nicht verfehlen wollen.

            Hanstedt, am 25sten October 1837                    gez. Burggraf.>>

E.  Die Einkünfte der Schullehrer zu Asendorf.

Mit der wirtschaftlichen Lage der Dorfschulmeister war es lange hindurch recht kläglich bestellt. Die Lehrer erhielten keine Gehälter vom Staat, sondern mussten sich mit den von den Bauern für ihre schulpflichtigen Kinder zu zahlenden Schulgeldern und einigen Naturalien begnügen. Änderte sich die Zahl der Schulkinder, so änderte sich auch ihr Einkommen. Nach dem Lagerbuch des Amtes Winsen a.d.L. mussten im Jahre 1723 für jedes Kind 16, etwas später 18 gge bezahlt und ferner je 1 Brot und 1 Pfund Butter jährlich geliefert werden. Im Jahre 1761 betrug das gesamte Jahreseinkommen des Lehrers 20 Thaler und 4 gge, womit Asendorf, mit Ausnahme von Hanstedt, die am besten bezahlte Schulstelle des ganzen Kirchspiels Hanstedt-Undeloh war. Da der Lehrer hiervon nicht einmal seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte, war er gezwungen, sich durch anderweitige Beschäftigung Nebenverdienst zu verschaffen. Aus vielen Berichten wird uns gemeldet, dass die Asendorfer Lehrer neben ihrem Schulamt sich dem Ackerbau oder der Viehzucht widmeten, ein Handwerk oder die Bienenzüchterei betrieben.

Mannigfache Klagen über das immer noch äußerst bescheidene Einkommen der Lehrer veranlaßten schließlich das Königliche Konsistorium im Jahre 1768, die Dörfer zu bitten, „die Schuldienste durch Beilegung einiger Grundstücke in etwas zu verbessern“. Darauf überließ die Gemeinde Asendorf ihrem Schulmeister 2½ Morgen Ackerland und ½ Morgen Garten. Die zugewiesenen Ländereien warfen jedoch nur sehr geringe Erträge ab, sodass die Asendorfer Schule auf erneute Veranlassung des Konsistoriums im Jahre 1790 weitere 3½ Morgen Ackerland, ¼ Morgen Wiesen und ½ Morgen Gartenland erhielt. Auf diese Weise stieg das Einkommen des Lehrers im Jahre 1792 auf 23 Thaler 25gge 4 Pfge und im Jahre 1800 auf 26½ Thaler. Im Jahre 1819 setzte sich dasselbe nach einem „Verzeichniß aller Emolumente des Schullehrer-Dienstes zu Asendorf“ folgendermaßen zusammen:

 

Rthlr.

mgr.

Pfg.

I.

Wohnhaus

-

-

-

II.

Grundstücke

1.

Gemüse und Obstgarten etwa zu 1 Himten Einfall

-

18

-

2.

Wiesen 1 gut Fuder

2

-

-

3.

Ackerland 3 Himten Einfall à 4 mgr. 4 Pfg

-

13

4

III.

Feuerung

an Torf von der Schulgemeinde 9 Fuder à 9 mgr.

2

9

-

IV.

Baare Geldeinnahmen

An Schulgeldern von 20 Kindern aus 13 Häusen

a.

im Winter à 16 mgr. Cassenmünze

9

31

-

b.

im Sommer à 8 mgr

4

33

-

V.

Naturalien

1.

an Brödten aus jedem Hauß 1 Brot, mithin 13 à 6 mgr

2

6

-

2.

aus jedem Haus 1 Pfd. Butter 13 Pfd. À 6 mgr.

2

6

-

VI.

Dermalige Nebenzuflüsse

Von einem kleinen Bienenstande etwa

3

Summa

27

9

-

Im Jahre 1835 war das Einkommen bereits erheblich gestiegen, und zwar besonders durch die Erhöhung des Schulgeldes auf 1 Rthlr., sodass sich die Gesamteinnahmen des Lehrers auf 39 Rthlr. 4 ggr. beliefen. Das Jahr 1845 brachte den Lehrern eine wesentliche Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. Durch das neue Schulgesetz setzte die Regierung da Mindesteinkommen der Lehrer auf 80 Thaler allgemein fest. Um diesen Betrag zu erreichen, sprach die Regierung der Asendorfer Schulstelle einen Staatszuschuss von jährlich 10 Thalern zu. Den weiteren Betrag bis zur Erreichung der 80 Thaler musste die Gemeinde aufbringen. Sie verpflichtete sich zu diesem Zweck, durch Kultivierung des zur Schule gehörenden Ödlandes die Ertragsmöglichkeit der Schulländereien zu erhöhen. So betrug denn das Gesamteinkommen des Asendorfer Lehrers im Jahre 1850 84 Rthlr. 10 ggr. 4 Pfge. Durch das neue Schulgesetz erhielten die Lehrer auch insofern eine erhebliche Erleichterung dadurch, dass er nicht mehr, wie bisher, das Schulgeld und die Naturalien selbst einsammeln musste, sondern dass dies jetzt Angelegenheit der Gemeinde und später des Schulvorstandes war.

Nach der Einverleibung Hannovers in das Königreich Preußen im Jahre 1866 wurden auch die Einkünfte der Lehrer den preußischen Verhältnissen angepasst und stieg im Jahre 1875 auf M 750.-, 1883 M 845.-, 1891 M 1000.- und 1906 M 1100.-. Heute sind die Einkommensverhältnisse nach den Beamtenbesoldungsgesetzen in ganz Deutschland einheitlich geregelt.

Über die Asendorfer Schule in der Nachkriegszeit erfahren wir auszugsweise folgendes in der Schulchronik:
,,Am 10. April 1945 wurde unser Dorf von einer englischen Panzertruppe eingenommen. Es wurde ohne Widerstand, der ja sinnlos gewesen wäre, dem Feind übergeben. In den folgenden Tagen wurden die Schulräume englischen Nachschubeinheiten als Quartier überlassen. Wer hätte wohl gedacht, dass der Krieg sich noch in unserer näheren Heimat abspielen sollte und englische Soldaten unsere Schulräume beziehen würden? Aber die Schule und das Dorf sind doch unversehrt aus den letzten Tagen der Kampfhandlungen hervorgegangen.

An Wiedereröffnung der Schule war zunächst nicht zu denken. Dafür war es noch zu unruhig, erst musste auch die Unterrichtserlaubnis erteilt werden.

Die Schulkinder wurden unter Aufsicht der Lehrer mit Sammeln von Kartoffelkäfern, die zum ersten Mal in unserer Feldmark aufgetreten waren, beschäftigt. Nachdem ich als Lehrer von der Militärregierung bestätigt wurde, konnte am 3. September 1945 der Unterricht mit 110 Schulkindern wieder aufgenommen werden. Nur die Hälfte der Kinder sind Einheimische, die andere Hälfte sind Evakuierte aus Hamburg und anderen Großstädten, die übrigen Ostflüchtlinge. Von den bisher üblichen Unterrichtsfächern sind nur Schreiben, Rechnen, Turnen und Zeichnen zugelassen. Bücher sind noch nicht vorhanden, nicht einmal Schreibhefte. Das Schreibpapier müssen die Kinder irgendwie beschaffen. Aber es musste auch so gehen. Die Herbstferien fielen natürlich aus, weil ein halbes Jahr kein Unterricht stattfand. Der Unterricht erfolgte wieder in 3 Abteilungen, da der Klassenraum zu klein war. Darum musste auch die Weihnachtsfeier im kleinsten Kreise für die Kinder der Grundschule stattfinden, da ein größerer Raum nicht zur Verfügung stand. Am 10. Januar 1946 wurde endlich eine zweite Lehrkraft eingestellt. So konnte ich für die Oberstufe einen gründlicheren Unterricht durchführen und hatte nun die Möglichkeit, das infolge der Kriegsumstände Versäumte aufzuholen. Die 2. Hilfskraft blieb aber nur bis Ostern 1947, da sie von der Militärregierung nicht anerkannt wurde.

Inzwischen ist die Kinderzahl auf 137 herangewachsen. So ergibt sich die Notwendigkeit, entweder den Klassenraum, der an der Straße liegt, durch Einreißen einer Wand zu vergrößern, oder die Einstellung einer dritten Lehrkraft und Unterricht am Nachmittag. Für den größeren Klassenraum fehlen dann 16 zweisitzige Bänke, die der Tischler anfertigen würde, wenn er das nötige Holz von der Gemeinde bekäme.

Am 1.4.1946 wurde eine Schulspeisung für die Normalverbraucherkinder eingeführt, die sich als guter Gedanke erwiesen hat, wenn sie auch eine große Belastung für den Lehrer ist. 82 Kinder erhalten täglich 2 Scheiben Brot mit Wurst und Butter. Wurst und Speck mussten von den Selbstversorgern gespendet werden. Diese Schulspeisung konnte in der anfänglichen Güte leider nicht aufrecht erhalten werden. Nach der allgemeinen Fettkürzung im August fiel die Zuteilung von Butter aus. Nachdem dann die abgegebenen Mengen an Fleisch und Wurst ausgegeben waren, versuchte man es im nächsten Frühjahr 1947 mit Freistellen am Mittagstisch der Selbstversorger. Doch auch diese Art der zusätzlichen Speisung für die Normalverbraucherkinder konnte nur bis zum Herbst durchgeführt werden. Zu dieser Nahrungsnot, die sich auch auf die Leistungen der Schulkinder auswirkt, kommt noch die Kleidungsnot. Es fehlt besonders an dem nötigen Schuhwerk. Oft müssen die Kinder im Winter bei Nässe oder Schneefall im Hause behalten werden, da es ihnen an wasserdichten festen Schuhen fehlt.

Die Schülerzahl steigt auf 140. Die Schulräume werden zu klein. Sie werden noch nicht vergrößert. da die dann wegfallenden Wohnräume noch nicht entbehrt werden können. Das Holz für die Bänke ist zwar geschlagen, aber der Raum fehlt. Die Bänke haben also auch noch Zeit. Die Winter 45/46 und 46/47 waren streng, der letzte brachte im März große Überschwemmungen. An manchen Tagen hatte ich dann allein 140 Kinder zu unterrichten.

Am 6. Mai 1947 wurde dann der apl. Lehrer Fritz Stoßmeister mit der vertretungsweisen Übernahme einer Dienststelle beauftragt. Er übernahm den Unterricht im 2., 3. und 4. Schuljahr. Das 1. Schuljahr konnte mit dem 2. Schuljahr nicht vereinigt werden... Erst als man die im Schulhause untergebrachten Kriegsvertriebenen anderweitig unterbringen konnte, wurde es Herrn Stoßmeister möglich gemacht, zunächst allein und dann mit seiner Familie im Schulhaus zu wohnen.

Eine Schulspeisung wurde mit Hilfe der englischen Militärregierung für die Kinder der Normalverbraucher wieder eingeführt. Zu Weihnachten wurden für alle Schulkinder aus Beständen der Besatzungsarmee Süßigkeiten ausgegeben.

Erneuerungen am Schulgebäude....Die alten Eichen auf den Schulwiesen mussten gefällt werden, um etwas Geld zu beschaffen. Im März 49 wird endlich die untere Wohnung frei. Lehrer Beck zieht in die mittlere Wohnung und Stoßmeister in die obere. ... Die Klassenräume werden erweitert. Die Schülerzahl stieg auf 145. Um notwendige Erneuerungen am Schulgebäude vorzunehmen, beschließt der Gemeinderat, zwecks Finanzierung Schulland zu verkaufen. Im Juli 1950 fand die freiwillige Versteigerung von Schulland statt. Der Verkauf erbrachte 14000,- DM."

Nach 1945 unterrichteten die Lehrer Röhrs, Harleß, Beck, Stoßmeister, Gran und Barz an der Volksschule Asendorf. Von 1955 bis 1969 leitete Herr Hanke bis zu seinem Weggang 1969 die Schule und führte die zusammengefassten Schuljahre 6, 7 und 8. Das 9. Schuljahr wurde in Jesteburg beschult. Nach Herrn Hanke leitete Herr Mangliers die Schule. Er unterrichtete die zusammengefassten Schuljahre 3,4 und 5 von 1960 bis zu seiner Pensionierung 1973. Frau Wesel führte von 1955 bis 1971 die Klassen 1 und 2 und Lehrer Wesche von 1969 bis 1971 die Klassen 6, 7 und 8. In dieser Zeit wurden in Asendorf etwa 80 Kinder in 3 Räumen unterrichtet.

1957 wurde die Schule renoviert und mit neuen Schultischen und Stühlen modernisiert. Im Wege der Errichtung immer größerer Schulen verlor die Asendorfer Schule ihre Selbständigkeit. Die Kinder der Schuljahre 6, 7, 8 und 9 wurden ab 1971 und die Kinder der Schuljahre 3,4 und 5 ab 1973 in Hanstedt beschult, das heißt, sie mussten mit dem Bus zur Schule fahren. Im Jahre 1972 wurde die Schule erneut umgebaut und renoviert. Der 3. Klassenraum wurde zu einer Turnhalle mit Turngeräten umgestaltet, und die Toiletten, die sich bis dahin außerhalb der Schule in einem Nebengebäude befanden, wurden im Schulgebäude neu installiert. Lehrer Wesche übernahm 1973 die Schuljahre 1 und 2. Da es 1977 in Asendorf nur 6 einzuschulende Kinder gab, und die Grundschule Brackel zum Erhalt ihrer Zweizügigkeit aufgefüllt werden musste, wurde die Schule in Asendorf gegen den Willen der Eltern geschlossen. Im September 1980 beschließt der Rat der Gemeinde Asendorf das Schulgebäude zu verkaufen.

 

Die Lehrer der Volksschule Asendorf laut Schulchronik findet man in der nachfolgenden Liste, die durch das Archiv Salzhausen ergänzt wurde:

Lüdeke Dittmer * 30.11.1653 als Hirtensohn, † 30.05.1728
Jacob Dittmer *1688, †1.12.1738, °° 2.11.1714
Hans Hinrich Dittmer * 1721, †7.4.1784
Ludwig Meyn †29.9.1794
Lüders ab 1794
Jürgen Heinrich Bockelmann 1812-1823
Jacob Anton Rabeler -1837
Johann Heinrich Albers 1837-1872
Dietrich Wilke 1872-1874
Laes a. D. 1874-1875
Peter Chr. Martens 1875-1877
Karl Heinrich Habermann 1877-1894
Heinrich Marbs 1894-1895
Wilhelm August Menke 1895-1901
Paul Bolte 1901-1904
Ernst Mandel 1.5.1905- 1.4.1933
Walter Niekerken 12.4.1923-1.1.1933
Wilhelm Brauel 1.5.1928-31.3.1932
Heinrich Bohne Ostern 1932-Ostern 1934
Karl Beck 1.10.1934-23.9.1950
Hermann Bischoff 1.5.1933- 1.2.1936
Dr. Hans Bluck 1.4.1936- 1.7.1936
Karl Ruppert 1.8.1936-1937
Wilhelm Elbers 1.10.1937-1.4.1947
Fritz Stoßmeister 6.5.1947-7.8.1950
Johannes Röhr 4.9. l950-Ostern 1959
Erhard Harleß 4.11.1950-31.3.1956
Martin Barz 11.10.1951-01.04.1955
Marianne Gran 1.10.1955-10.10.1956
Josef Hanke 10.4.1956-31.7.1969
Anne-Marie Wesel August 1957-1971
Helmut Mangliers Ostern 1959-1973
Volker Wesche 1969-1977